Opening night speech by Martin Schumacher, Head of the Cultural Department of the City of Oldenburg

Excerpts from the Opening Speech of Martin Schumacher, Head of the Cultural Department of the City of Oldenburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, Sie heute Abend im Edith-Ruß-Haus für Medienkunst zur Eröffnung der Ausstellung „MY OWN PRIVATE REALITY“ begrüßen zu dürfen.

Mit dieser Ausstellung widmet sich das Edith-Ruß-Haus einem hochaktuellen Thema – dem Phänomen, dass sich das Internet dank neuer Technologien immer mehr zu einem sozialen Raum entwickelt hat, der von Millionen Nutzern selbst gestaltet und ausgefüllt wird.

„Web 2.0“ ist das Schlagwort, das die Veränderungen im globalen Netzwerk umschreibt. „Mitmachen“ lautet die Devise. Inhalte werden nicht mehr nur zentralisiert von den traditionellen „Medien“ erstellt und an ein breites Publikum übermittelt, sondern auch von einzelnen Internet Benutzern, Amateuren, die sich untereinander vernetzen. Typische Beispiele für diese Entwicklung sind die Bild- und Videoportale, wie das bekannte YouTube, aber auch die unzähligen Online-Tagebücher und Tauschbörsen, in denen Menschen sich austauschen und ihre Meinungen einer weltweiten Öffentlichkeit kundtun. Die Nutzer spielen die Hauptrolle: Aus passiven Konsumenten sind aktive Produzenten geworden. DER SPIEGEL betitelte entsprechend einen Leitartikel zum Thema mit den Worten „Du bist das Netz!“ Das „Du“, dass im amerikanischen TIME MAGAZINE auch zur Person des Jahres 2006 gekürt wurde.

Der als Marketing-Schlagwort eingeführte Begriff „Web 2.0“ hatte großen Widerhall in den Medien. Die Bezeichnung kommt aus der Software-Entwicklung und ist angelehnt an die Entwicklungsstufen von Computerprogrammen und Software-Versionen, die in immer kürzeren Zeitabschnitten verbessert werden. Der Begriff steht auch für den Hype, der sich in den letzten Jahren zu diesem Thema entwickelt hat und der an die Internet-Euphorie der 1990er Jahre erinnert – vor dem Zusammenbruch der Dotcom-Blase. … Spektakulär war im letzten Jahr der Verkauf der Videoplattform „Youtube“ an Google für 1,6 Milliarden Dollar. Von null auf 1,65 Milliarden in 20 Monaten, nur so lange existierte „YouTube“ zu diesem Zeitpunkt – nur das Internet beschleunigt Karrieren so rasant.

Aus technischer Sicht bezeichnet “Web 2.0” oft eine Kombination der bereits Ende der 1990er Jahre entwickelten Techniken, die durch die große Zahl breitbandiger Internetzugänge erst jetzt großflächig verfügbar sind. Lange Zeit schätzten sehr viele Menschen das Internet als ein nicht ganz einfach zu gebrauchendes technisches System ein, mit dem man vor allem Daten, Informationen oder Medien verbreiten kann. Zum einen gab es „Bearbeiter“ (Leute, die Inhalte fürs Web erstellten bzw. Informationen bereitstellten, teils kommerziell, teils privat), und zum anderen „Benutzer“ (Konsumenten, die meistens nichts anderes taten, als sich die bereitgestellten Inhalte anzusehen bzw. anzuhören, und die vor allem gar keine andere Wahl hatten, als fremde Informationsangebote entgegen- und aufzunehmen). Dies hat sich im Web 2.0 grundlegend verändert. Anwender mit kaum mehr als durchschnittlichen EDV-Kenntnissen stellen eigene Beiträge ins World Wide Web (Schlagwort: User Generated Content) und verlagern dabei zunehmend das Private ins Öffentliche. Durch vereinfachte technische Anwendungen kann jeder durchschnittlich befähigte Nutzer, selbst wenn er nicht programmieren kann, viel leichter als bisher aktiv an Informations- und Meinungsverbreitung teilnehmen (Schlagwort Soziale Software ). …
Teil der Entwicklung dieses neuen Internets, in dem das Mitmachen zum A und O gehört, ist auch die Online-Plattform „Second Life“, in welcher sich inzwischen mehrere Millionen Menschen eine neue Wirklichkeit geschaffen haben und täglich werden es mehr. Sie schlüpfen in erfundene Identitäten und leben in der virtuellen Welt ihre Träume und Fantasien aus.

Inzwischen herrschen wieder Pioniertage im World Wide Web so wie Anfang der 1990er Jahre, als die Menschen das Internet für sich entdeckten. Mit 16 beteiligten Künstlern … gibt das Edith-Ruß-Haus für Medienkunst einen Einblick in die vielfältigen Angebote des World Wide Web der letzten 10 Jahre, die auch Spiegel unseres veränderten Sozial- und Kommunikationsverhaltens sind.

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